Natur- und Freizeitzentrum Töpelwinkel e.V.
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Natur-Farben-Vielfalt

Natur – Farben – Vielfalt...
kennen, erhalten, nutzen

Im Projekt geht es rund um Naturfarben. Es bietet ausreichend Raum, vorgestelltes Wissen über Erdpigmente, Bindemittel sowie pflanzliche Farbbäder im Programm anzuwenden.Dabei kann auf Seide o.a. Stoffen (Baumwollsäckchen, T-Shirts) in unterschiedlichen Ausgangs-formen experimentiert werden. Die Welt ist bunt... und bunt sind alle unsere Kleider. Hier beginnt unser Ausflug in die Welt der Farben, direkt am eigenen Körper. Unsere Kleidung ist farbig. Wir schauen uns unsere Kleider etwas genauer an, sehen die Intensität der Farben auf dem Stoff, machen uns bewußt, wie sehr wir uns über diese Farben definieren. Der eine trägt gern blaue Kleidung, der andere lieber warme Naturfarben. Irgendwie scheint alles auf Farben abgestimmt zu sein. Wir müssen erkennen, dass all die bunten Stoffe chemischen Prozessen ausgeliefert werden, damit sie überhaupt so kräftige Farben behalten können und nicht gleich nach dem ersten Waschen ausbleichen. Es geht auch anders, nämlich mit Pflanzen.

Zur Geschichte des Färbens:

Bereits in der Steinzeit benutzten die Menschen Farben, wie Höhlenmalereien bezeugen. Diese Farben waren zwar von großer Lichtechtheit, doch Feuchtigkeit und mechanischer Beanspruchung widerstanden sie nicht. Durch antike Schriftsteller liegt die Erkenntnis vor, dass germanische und keltische Völker sich vor Schlachten am ganzen Körper bunt bemalten. Doch das Färben mit Pflanzen- und Tierextrakten war die einzige Möglichkeit, Stoffe dauerhaft zu färben. Und so gingen unsere Vorfahren dazu über, ihre Kleidung bunt zu färben. Sie nutzten Pflanzen, die Ihnen die Natur ihrer Heimat dafür gab:

Braun: Eichen- und Birkenrinde
Gelb: Birkenblätter, Ginster und Schilf
Rot: Blutwurz, Labkraut- und Waldmeisterwurzel
Blau: Waid

Früher wurden noch alle Stoffe und Gewänder in Heimarbeit von der Hausfrau hergestellt und auch das Färben war Hausarbeit. Mit der Entwicklung der Städte bildeten sich Zünfte heraus, und so wurde auch bald das Färben von Wolle und Stoffen ein Berufszweig. In Deutschland gab es erst ab dem 16. Jahrhundert (Jh.) eigene Färberzünfte. Die Farbenpracht der Kleider war Zeichen der Macht seines Trägers und so dauerte es auch nicht lange, dass es die ersten Kleidervorschriften gab. Bereits um 800 legte Karl der Große in einer Landgüterverordnung fest, dass Waid und Krapp angebaut werden sollte und dem einfachen Volk genehmigte er nur 6 Ellen grobes Leinengewebe (3,60m) zum Färben.

Nach der Entdeckung des Seeweges nach Indien und Amerika kamen neue stärkere Farbstoffe nach Europa (z.B. Brasilholz, Safran, Lackmus und Indigo). Krapp blieb der wichtigste rote Farbstoff von der Antike bis ins 19. Jh.. Von da an begann der Siegeszug der Teerfarben und der chemischen Farben. Normalerweise wird das gesponnene Garn gefärbt und nicht das fertige Tuch. Eine intensive Farbe erziehlt man nicht, indem man die Wolle lange im Färbebad liegen läßt, sondern indem man sie mehrfach mit der Farbe überfärbt. Das Farbergebnis hängt von vielen Faktoren ab, z.B. der Wasserhärte und dem Mineralstoffgehalt. Das gleiche Färbekraut kann bei verschiedenen Wasserhärten völlig unterschiedliche Farbsättigungen ergeben. Das wichtigste beim Färben ist die Beize. Sie ist die chemische Brücke zwischen Farbstoff und Faser. Mit Naturfarben können aber auch nur Naturstoffe gefärbt werden, wie Wolle, Leinen, Seide. Die Stoffe dürfen keine chemischen Anteile enthalten, die die Farbe nicht annehmen, das Ergebnis wäre sonst fleckig. Als Beizmittel wurden früher Essig und Ammoniak in Form von Urin verwendet. Heute gibt es Chrom, Eisen, Weinstein und Alaun, besonders häufig die beiden letzteren

Die Beize beeinflußt die Färbung: Chrom intensiviert die Farben, Eisen läßt sie matter erscheinen. Der Beizvorgang wird von unseren Mitarbeitern bereits vorgenommen, so dass die Projektteilnehmer mit dem eigentlichen Färben beginnen. Die Pflanzen für den Farbsud werden zerkleinert (frische oder getrocknete Pflanzen können verwendet werden), und über Nacht eingeweicht. Am Tag darauf werden die Pflanzen etwa eine Stunde gekocht, der Sud wird zum Färben abgetrennt.

Nach deren Abkühlen gibt man das Färbegut hinzu. Muster auf dem Färbegut entstehen durch Ab- und Einbinden von verschiedenen Materialien und Formen (z. B. Steine, Knöpfe). Das läßt man wieder eine halbe bis eine Stunde erhitzen bis kochen. Das Material sollte man nicht rühren, sondern nur unterdrücken, am besten herausheben und wieder fallen lassen (in den Topf), dann das Färbegut herausnehmen und mit kalten Wasser spülen bis das Wasser klar bleibt. Anschließend zum Trocknen aufhängen.

Noch einige Hinweise zu den Farbstoffen der Pflanzen:
Alle Pflanzen und Pilze enthalten Farbstoffe. Aber nur einige davon sind im Überschuß vorhanden und können durch Auskochen gewonnen weden. So ist z. B. Grün – die häufigste Farbe im Pflanzenreich nur schwer zu färben. Die meisen Blätter färben gelb bis gelbbraun. Rot und Braun wird bevorzugt mit Rinden, Wurzeln und Hölzern erzielt. Blau kann nur mit Indigo, einem aus Indien stammenden Strauch aus der Familie der Schmetterlingsblütler, oder deutlich schwächer mit Färberwaid, einem heimischen Kreuzblütler, gefärbt werden. Da der in diesen beiden Pflanzen enthaltene Farbstoff jedoch nicht wasserlöslich ist, muß ein kompliziertes Gährungsverfahren oder hochkonzentrierte Schwefelsäure verwendet werden. Reines Schwarz ist ohne chemische Zusätze kaum zu erzielen, sondern ist bei genauem Hinsehen oft ein ganz dunkles Braun, Violett oder Blau.

Der 2. Teil des Projektes beinhaltet das Malen mit Naturfarben. Dazu verwenden wir Erdpigmente (Pigmente sind unlösliche farbgebundene Stoffe) der Fa. Kremer. Um eine Haftung der Erdfarben auf dem Malgrund (gut eignet sich dafür Aquarellpapier) zu erzielen, muss man ein Bindemittel verwenden. Dafür kann Eigelb, Leinöl, Magerquark, Bier, Zitronenlimo o.a. verwendet werden. Die mit dem Bindemittel angerührten Farben können angelöst werden, wenn sie getrocknet sind. So ist es möglich die Farben bis zum Ende aufzubrauchen.

Nun können die Projektteilnehmer ihrer Phantasie freien Lauf lassen. Auf den Aquarellpostkarten oder -blättern können die schönsten Bilder entstehen. Man kann die Farben auch für Drucke verwenden, indem z. B. Blätter von Bäumen mit Farbe bemalt zum Drucken benutzt werden. Ausgehöhlte Holunderhölzer eignen sich gut zum Druck von Ringen. Mit Eigelb gebundene Erdfarben können auch zum Bemalen von Steinen Verwendung finden.

Im Natur- und Freizeitzentrum Topelwinkel verwenden wir Aquarellpostkarten in diesem Projekt, die dann natürlich auch per Post versendet werden können.Den Schluß des Projektes bilden Rätsel rund um die Farben und kleine Experimente.